Österreicher mögen Fairtrade-Produkte
Veröffentlicht von World of Good am 20. April 2009Österreichs Konsumenten haben im Jahr 2008 rund 65 Millionen Euro für Fairtrade-Produkte ausgegeben. Der Markt ist damit um 24 Prozent gewachsen. Bananen und Kaffee sind vorrangig als Wachstumstreiber anzusehen. Etwa 60 Prozent der Umsätze werden im Lebensmittelhandel erzielt. Der Rest entfällt auf Gastronomie und Großabnehmer. Fairtrade Österreich http://www.fairtrade.at/ erwartet trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für 2009 einen neuen Rekordumsatz von über 70 Millionen Euro. “In markentechnischer Hinsicht ist die Entwicklung von Fairtrade in Österreich eine Erfolgsstory”, sagt Peter Schnedlitz, Vorstand des Instituts für Handelsmarketing von der Wirtschaftsuniversität Wien, im Rahmen der heutigen Jahresbilanzpressekonferenz von Fairtrade Österreich. Die Qualitätsoffensive des österreichischen Handels sei aber als ein entscheidender Multiplikator des Erfolgs von fair gehandelten Produkten anzusehen.
84 Prozent aller Österreicher sind laut Umfrage von GlobeScan http://www.globescan.com/ bestens mit der Marke Fairtrade vertraut. 77 Prozent befinden die Produktauszeichnung für absolut vertrauenswürdig. “Fairtrade-Produkte sind in Österreichs Supermärkten bereits seit 16 Jahren erhältlich. Die Seriosität der Organisation wurde oftmals unter Beweis gestellt”, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, im Gespräch mit pressetext. Dies erkläre die zum Teil beträchtlichen Unterschiede in der Wahrnehmung des Fairtrade-Labels im Vergleich mit anderen Ländern. Weltweit betrug der 2008 mit Fairtrade-Produkten erzielte Umsatzerlös 2,9 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Wachstum von 25 Prozent. Das Wachstum in Österreich liegt im internationalen Durchschnitt, wenngleich die Marktanteile angesichts von Handelsumsätzen zwischen 45 und 50 Mrd. Euro noch gering sind.
Im Kontext einer feststellbaren Tendenz hin zu biologischen und regional hergestellten Produkten gewinnt das Marktsegment nachhaltige Produktion und Handel jedoch zunehmend an Bedeutung. Bereits drei Viertel aller ausgezeichneten Fairtrade-Lebensmittel werden biologisch hergestellt. “Die Krise führt einerseits zu einer verminderten Kaufkraft der Konsumenten, was die Hinwendung zu billigen Eigenmarken von Handelsunternehmen zur Folge hat. Anderseits schärft sie auch das Bewusstsein vieler Konsumenten”, analysiert Schnedlitz. Trotz einer wahrscheinlichen Polarisierung im Kaufverhalten seien für Fairtrade Österreich grosso modo keine Umsatzeinbrüche zu erwarten. “Entscheidend sind jedoch Substanz und Authentizität der zugrundeliegenden Geschäftsmodelle,” so Schnedlitz weiter. Im Gegensatz zu Fairtrade investieren weltweit zahlreiche Unternehmen massive Geldmittel in Greenwashing, also in PR-Strategien, die lediglich darauf abzielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu verleihen.
Das Fairtrade-Konzept ist mit den Zielen der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit absolut vereinbar. Durch individuelle Kaufentscheidungen tragen österreichische Konsumenten den Grundgedanken “Hilfe zur Selbsthilfe” mit. “Aus diesem Grund unterstützt die öffentliche Hand die Organisation seit 1999 mit einem jährlichen Betrag von 250.000 Euro”, informiert Michael Spindelegger, Bundesminister für auswärtige und europäische Angelegenheiten. Die zur Verfügung gestellten Mittel würden vorrangig für die Finanzierung von Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit aufgewendet. Öffentliche Einrichtungen wie das Außenministerium oder die Vorarlberger Landeskrankenanstalten gehen zwar mit gutem Beispiel voran, indem sie Fairtrade-Produkte wie Kaffee und Orangensaft beziehen. Der Bereich öffentliche Beschaffung birgt aber noch großes Potential in sich und wird zukünftig einen Schwerpunkt in der Strategie von Fairtrade Österreich darstellen. Der Gastronomiebereich wird ebenfalls stärker beworben werden. Online steht bereits ein Gastrofinder zur Verfügung, um mit Fairtrade-Produkten arbeitende Betriebe in nächster Umgebung schnell auffinden zu können.
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